Patienten zu Spezialisten ihrer Krankheit machen
[Montag, 28. Januar 2008] Im Diabetes-Zentrum in Neustadt lernen Betroffene wie sie sich richtig ernähren. In zehn Jahren 3.500 kranke geschult.
Die beiden Arzte Dr. Elke Redlin-Kress und Dr. Thomas Kress erhalten am Donnerstag von der Deutschen Diabetes Gesellschaf (DDG) ein Qualitätszertifikat für ihr Diabetes-Zentrum in Neustadt. Gemeinsam mit ihrem Praxisteam haben sie in den vergangenen zwei Jahren auf die Zertifizierung hingearbeitet.
lm Diabetes-Schulungszentrum (von links): Elke Redlin-Kress und Thomas Kress informieren Valerie Noack. Die Beraterinnen Gisela Filser und Birgit Adam sehen zu.
,,Mit dem Zertifikat sollen Patienten erkennen: Die können das wirklich", erklärt Thomas Kress. Das Diabeteszentrum zeige nun nach außen, dass genügend Erfahrung und Wissen bei der Behandlung von Patienten der unterschiedlichsten Krankheitstypen vorhanden ist.
Erst 4 Praxen und Kliniken in Deutschland haben die Qualitätsprüfung erfolgreich durchlaufen. Sechs davon, unter anderem die Diabetologe an der Universitätsklinik Mainz, sind in Reinland-Pfalz. Das Verfahren sei sehr aufwändig, man habe zwei fahre auf die Zertifizierung hingearbeitet, erzählt das Ehepaar. Sein Fachgebiet, die Diabetologie, werde noch nicht als eigenständiges Spezialfach wahrgenommen, beklagt Kress. Mit der Zertifizierung hoffen er und seine Frau, die sich als Endokrinologin auf hormonelle Erkrankungen spezialisiert hat, auf mehr Anerkennung von Patienten und Kollegen.
Schließlich gehe es in der Diabetologie nicht darum, einfach Tabletten zu verschreiben. ,Wir führen viele Gespräche. Denn mit der Beratung machen wir unsere Patienten zu Spezialisten ihrer Krankheit." Themen wie Ernährung und mögliche Folgeerkrankungen werden mit den Betroffenen besprochen. Bisher habe man gemeinsam mit den Fachberaterinnen Birgit Adam und Gisela Filser in zehn fahren etwa 35oo Patienten geschult.
"Darunter sind sowohl neue Patienten als auch alterfahrene, die ihr Wissen zum Thema Diabetes ab und zu auftischen wollen", berichtet Elke Redlin-Kress. Im Vergleich zu den Anfängen der modernen Diabetes-Behandlung Mitte der achtziger fahre werden nun ausschließlich ambulant gearbeitet. ,Bei uns war neulich eine Frau in der Praxis, deren Hausarzt einen Blutzuckerwert von 35o festgestellt hat. Noch vor ein paar Jahren wäre sie vier Wochen im Krankenhaus gewesen, um sie einzustellen", sagt Thomas Kress. In der Spezialpraxis sei die Patientin eine Stunde von der Fachberaterin Gisela Filser geschult worden, das habe ausgereicht. ,Radiologen oder auch Kardiologen haben ein gutes Gerät. Wir brauchen das nicht, aber wir brauchen ein gutes Team', macht Elke Redlin-Kress den Unterschied zu anderen medizinischen Fachgebieten deutlich.
Vielleicht helfe das Zertifikat den Diabetes-Fachzentren ihre Leistungen gesondert vergütet zu bekommen, hoffen die Mediziner. "Schließlich kann man die heutigen Möglichkeiten bei der Behandlung von Diabetes-Patienten nur durch spezielle Einrichtung und ein geschultes Team voll ausnutzen", stellt Thomas Kress heraus. ,Dadurch kann man Kosten und Leid vermeiden." (uos)
Zertifizierung
Um das Zertifizierungs-Verfahren starten zu können, müssen Einrichtungen, die sich auf Diabetes spezialisiert haben, zunächst genügend Erfahrung in der Behandlung mit Diabetes-Patienten der unterschiedlichen Typen vorweisen. Dazu müssen Arzte speziell geschult und besondere Fachberater mit zweijähriger Ausbildung vorhanden sein. Schulungsräume und -materialien, der Austausch mit anderen Praxen und Kliniken sowie die Teilnahme an Expertentreffen sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Zertifizierung. Die Einrichtungen müssen außerdem in der Lage sein, Folgeerkrankungen der Diabetes und Schwangere zu betreuen. Prüfer der DDG stellen den Mitarbeitern in Praxen und Kliniken vor Ort fachliche Fragen, um deren Kompetenz zu testen. Außerdem müssen Berichte über Arbeitsabläufe und aktuelle Schulungspläne eingereicht werden, in denen auch Verbesserungsideen enthalten sind. Nach drei fahren überprüft die DDG dann erneut, ob die Einrichtung die Ziele auch umgesetzt hat. Nur dann kann das Zertifikat verlängert werden. (uos)


